Aktuelles

Vollversammlung

11.10.2017

9.30 - 16 Uhr

Pfarrheim St. Maria in der Kupfergasse,

Schwalbengasse 1

50667 Köln

 

Was macht eigentlich ein Pastoralreferent?

Lesen Sie Berichte von Kolleginnen und Kollegen 

Auf dem Land... - Simon Miebach

Als Pastoralreferent im Seelsorgebereich Much bin ich mit dem Pfarrer, einem Kaplan und einem Gemeindereferenten zuständig für drei Gemeinden, mit sechs Kirchen und insgesamt 8300 Katholiken. Im Pastoralteam haben wir die anstehenden Aufgaben verteilt, ich bin unter anderem zuständig für:

  • die Jugendarbeit der Kolpingjugend:Begleitung und Durchführung von Gruppenleiterschulungen, Ferienfahrten, Kinderbibeltage, Wochenenden, Ausflügen und vieles mehr...
  • die Messdienerpastoral an drei Kirchen:
  • Ausbildung der Neuen, Proben besonders vor Festtagen, Erstellung des Messdienerplans, Freizeitgestaltung mit Ausflügen, Wochenenden, Zeltlager, Übernachtungen im Kirchturm und viele weitere Aktionen...
  • die Erstkommunionvorbereitung:Planung und Leitung von Elternabenden, Begleitung der Katecheten, feiern von Weggottesdiensten mit den Kindern, Vorbereitung der Erstkommunionfeiern...
  • als Notfallseelsorger werde ich zu Menschen in Krisensituationen gerufen
  • die Jugendband: Leitung einer Band besonders für Familien und Jugendmessen
  • Kinderkirche (Gottesdienst parallel zum Sonntagsgottesdienst für Kindergartenkinder, ab der Gabenbereitung gemeinsam mit der Gemeinde):Vorbereitung und Durchführung mit einigen Eltern
  • tun was grad ansteht...
  • und viel Zeit am Schreibtisch...

Außerdem teilen wir uns viele Bereiche auf, z. B.:

  • drei Schulgottesdienste pro Woche
  • besondere Liturgien für Kinder z B. an Heiligabend, in der Karwoche...
  • Liturgische Nächte in der Kirche, Nacht der offenen Kirche, Glaubenswoche
  • Krankenkommunionen
  • Geburtstagsbesuche bei den Senioren
  • Kinderbibelwoche
  • Projekttage mit den Grundschulen
  • Teilnahme an Wallfahrten
  • Bibelteilen
  • Dienstgespräche
  • Repräsentatives: Generalversammlungen der Chöre, Erntefeste, Schützenfeste, Neujahrsempfänge, Vereinstreffen, Karnevalssitzungen...
  •  ...
Dabei fällt auf, dass einige Aufgabenbereiche vorgegeben sind, und sozusagen erledigt werde n müssen, doch habe ich dabei viel Freiraum, wie ich sie gestalte, z. B. nach welchem Konzept ich die Erstkommunion vorbereite.
Andere Dinge ergeben sich nach persönlichen Fähigkeiten und den Gegebenheiten vor Ort, so konnte ich z. B. die Jugendband und eine Kinderkirche gründen, da hier Bedarf vorhanden war. Außerdem lassen sich Hobbys wie in meinem Fall die Musik und der Circus mühelos in die Arbeit einbinden, so entstanden z. B. als Freizeitangebot für Kinder Circuswochenenden in denen ich ihnen einige Techniken beibringen konnte. Auch bieten sich solche Dinge immer für Ferienlager und Adventsfeiern z. B. der Senioren an.
Das besondere an der Arbeit in einer ländlichen Gemeinde scheint mir die große Zahl an Traditionen, die hier noch aufrecht gehalten werden. Auch müssen viele Angebote gerade in der Kinder- und Jugendpastoral in räumlicher nähe der Wohnorte angeboten werden, da kaum öffentliche Verkehrsmittel vorhanden sind. Das führ dann z. B. dazu, dass viele Angebote noch dezentral aufrecht erhalten werden (Messdiener, Erstkommunion...).
Mir gefällt an meinem Beruf besonders die Breite an Möglichkeiten, von Gebet und Gottesdienst bis zum Freizeitangebot, von Kleinkindern bis Senioren, von Alltag bis zum Notfall, von Organisation bis zum persönl. Gespräch. Auch genieße ich die Möglichkeit meine Familie oft um mich zu haben, da ich zu den Malzeiten meist zu Hause bin und auch mein Büro im Haus habe.
Simon Miebach
April 2008

Pastoralreferent in der Großstadt - Norbert Bauer

Um es vorneweg zu sagen: ich bin gerne als Pastoralreferent in drei Kölner Innenstadtgemeinden tätig, denn ich kann in einem Umfeld agieren, das meinem eigenen Lebensentwurf entspricht.
Ich treffe auf Menschen, die gerne in der Stadt leben, die die Nähe zu Kinos, Bistros und einem gut sortierten Buchladen schätzen. Sie freuen sich über die kurzen Wege und die Diversität der kulturellen und kulinarischen Angebote. Ihr Auto haben sie zugunsten eines Fahrrades eingetauscht. Mehrere Carsharing-Stationen ermöglichen ein klimafreundliches Nutzen von PKWs. Die Verkehrsberuhigung macht das Viertel nicht nur für Familien mit Kindern attraktiv. Mit dem Viertel verbundene Kitas und Schulen sorgen für kurze Wege. Vier – fünfstöckige Wohnhäuser bieten eine gelungene Mischung aus Vertrautheit und Anonymität. Die Bürgerinnen und Bürger zeigen sich politisch initiativ und sind in der Lage, kurzfristig Protestaktionen gegen kommunale Entscheidungen zu organisieren: Bei den letzten Kommunalwahlen erhielten die Grünen die meisten Stimmen.
Diese Melange aus politischen Engagement und kultureller Neugier, aus Lebenslust und flexiblen Biographien bietet mir gute VoraussetzungenPastoralreferent-Kunstausst als Pastoralreferent tätig zu sein. Wichtig dafür sind zunächst strukturell organisierte Kontakte ins Viertel. So bin ich als Vertreter der Kirchengemeinde in der Stadtteilkonferenz vernetzt mit anderen Institutionen. Im Beirat des Bürgerzentrums Alte Feuerwache unterstütze ich einen wichtigen Ort der Begegnung im Viertel. Der Interreligiöse Dialog des städtischen Jugendzentrums bietet mir den regelmäßigen Austausch mit Jugendlichen muslimischen Glaubens. Eine nachhaltige Mitarbeit in diesen Gremien ist auch eine vertrauensbildende Maßnahme: Kirche wird erkennbar als Organisation, die sich für das Gemeinwesen engagiert, die sich für das gelingendes Zusammenleben im Stadtteil einsetzt.
Pastoralreferent in der Großstadt bedeutet kulturell auf dem Laufenden zu sein. Ich bin hauptamtlicher Vertreter in den Ausschüssen der Gemeinde, die sich um den Dialog vor allem mit der modernen Kultur bemüht. Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstlern, Uraufführen moderner Kompositionen und Lesungen deutscher und ausländischer Autoren zählen seit Jahren zum pastoralen Ansatz der Gemeinde. Um diesen Dialog, z.B. mit Autoren und Autorinnen führen zu können, muss ich informiert sein über die aktuellen Veröffentlichungen der Verlage und bei den Buchmessen den Kontakt zu den Verlagsvertretern pflegen. In den vergangenen Jahren konnten so Lesungen mit namhaften Autorinnen wie Katharina Hacker, U lla Hahn oder Lily Brett organisiert werden, aber auch kleine intime Veranstaltungen mit weniger bekannten Autoren aus Köln, aber auch aus Israel, Peru und Spanien. Neben der Anknüpfung an den aktuellen kulturellen Diskurs, den die Kirche über Jahrhunderte ausgezeichnet hat, erfüllt Gemeinde hier einen kulturell - caritativen Zweck. Kostenfreie Autorenlesungen und Ausstellungen ermöglichen auch denen den Kontakt zur Kultur, die sonst durch hohe Eintrittsgelder vom kulturellen Dialog ausgeschlossen werden „Die Kirchengemeinde dient auf diese Weise der kommunalen Gemeinde, sie erfüllt einen politischen Dienst, indem sie in ihrem Innersten, dem sakralen Raum der Kirche, einen Ort schafft, in dem sich moderne Kunst und Religion begegnen können.“ (Thomas Schmidt). Diese Kulturarbeit gelingt nicht als Solist, sondern nur im Zusammenspiel von engagierten Gemeindemitgliedern und anderen Kulturträgern in der Stadt und der Kirche.
In der Erstkommunionvorbereitung bin ich der erste Ansprechpartner für Eltern und Kinder. Diese hatten nicht selten nur wenig Kontakt zur Glauben und Kirche, bringen aber ein großes Interesse, eine spirituelle Sehnsucht, aber auch einen intellektuellen Wissensdurst mit. Hier zeigt sich, dass das hohe bürgerschaftliche Engagement auch in die Kirche eingebracht wird. Mütter und Väter sind bereit, trotz hoher beruflicher Belastung sich aktiv in das Projekt Katechese einzubringen.
Pastoralreferent in der Großstadt bedeutet auch sich dafür einzusetzen, Kirche sichtbar zu machen. Pfarrbriefe, Flyer, Internetauftritte sind gerade in einer medial bunten Großstadt ein wichtiges Instrument, um mit seinen Anliegen und Angeboten präsent zu sein.
Pastoralreferent in einer Großstadt zu sein, heißt auf Menschen mit gebrochenen Biographien zu stoßen, die besonders Unterstützung brauchen. Gerade für diese ist Kirche und Pfarrbüro in ihrer ersten Not eine wichtige Anlaufstation.
Pastoralreferent in der Großstadt zu sein bedeutet, reflektiert von Gott reden zu können. Das zu beobachtende Interesse an Religion wird auch begleitet durch ein Erstarken von fundamentalistischen Tendenzen. Eine Rede von Gott, die die Vernunftbegabung der Menschen nicht ignoriert, ist gerade auch in der Stadt, die schon immer Forum intellektueller Auseinandersetzung war, gefragt.
Pastoralreferent in der Großstadt zu sein, bedeutet aber vor allem mit Gott zu reden, zu Gott zu beten, und den Menschen auch Orte und Zeiten dafür zu ermöglichen. Die Agneskirche ist. von 8.00 Uhr – 20.00 Uhr geöffnet. Die offene Kirche steht stellvertretend für eine Grundhaltung, die für mich maßgeblich als Pastoralreferent ist: offen sein für Gott und offen sein für die Menschen. Und das bin ich gerne, mitten in Köln, mitten in der Großstadt.

 

 

Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen

Willi Oberheiden - Pastoralreferent und Gefängnisseelsorger

Die Gefängnisse in Heinsberg, Köln, Rheinbach und nun in Euskirchen sind die Orte, wo ich Gefängnisseelsorger war bzw. bin. Jugendliche, erwachsene Männer, geschlossener und offener Vollzug sind meine Felder der Sonderseelsorge. Ich weiß nicht ob es überhaupt Sonderseelsorge ist, da das Gefängnis schon immer Ort der Seelsorge ist. „Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“ Oder alles ist Sonderseelsorge, da jeder Mensch besonders ist. Jede seelsorgliche Begegnung habe ich als besonders und einzigartig erlebt. Vielleicht tritt dieses Erleben im Gefängnis deutlicher zutage, so dass hier möglicherweise ein Unterschied ist. Im Grundsatz ist für mich Seelsorge gleich und nicht abhängig von Ort oder Mensch, der für mich natürlich unterschiedlich,  einzigartig und gerade nicht gleich ist, vielleicht ausgenommen die Ebenbildlichkeit Gottes.Willi Oberheiden

Zurzeit arbeite ich als Gefängnisseelsorger mit einer halben Stelle in der Justizvollzugsanstalt Euskirchen, mit der anderen Hälfte im Seelsorgebereich
Euskirchen-Bleibach/Hardt und darüber hinaus freiberuflich als systemischer Therapeut in Rheinbach.

Etwa dreiviertel der Arbeit im Gefängnis macht das seelsorgliche Gespräch aus mit Einzelnen, (Ehe-) Paaren und Gruppen. Die Menschen in der Haft kommen und nutzen diese Möglichkeit auch wegen der Verschwiegenheitspflicht. Der inhaltliche Rahmen ist weit: Schuld, Beziehung, Partnerschaft, Sucht, soziale Not, Krankheit, Haft, Glaube, Persönlichkeitsprobleme, Homosexualität usw. Es sind so viele Themen wie Menschen. Zu dieser Hauptaufgabe kommen (wenige) Gottesdienstvertretungen in der Urlaubszeit innerhalb der JVA, Vermittlung von Wohn- bzw. Urlaubsmöglichkeiten in einem Haus in Euskirchen für (ehemalige) Gefangene der JVA, Besuchergruppen, Gespräche über unsere Arbeit mit Anwärter/inne/n und Praktikant/inn/en in Vollzugs-, Verwaltungs- oder Fachdienst der JVA, Veranstaltungen in Kooperation mit der Anstalt und ein kleiner Teil Verwaltung. Als Seelsorger bin ich grundsätzlich auch ansprechbar für alle Mitarbeiter/innen der Anstalt, was wenig genutzt wird. Vermutlich haben sie mehr Möglichkeiten außerhalb der Anstalt und lassen den Insassen den Vortritt. Vielleicht ist auch für viele die Arbeit nicht der Raum für private oder persönliche Probleme.

Und alles geschiKirche in der JVA Euskircheneht in einem guten, ökumenischen Miteinander. Gerade im Gefängnis bin ich gegenüber Justiz und Anstalt auf meinen evangelischen Kollegen Pfarrer Linden angewiesen. Sowohl die Gefangenen als auch die Anstalt sehen bei uns eher das Verbindende als das Trennende.

Die Grundlagen der Arbeit von Kirche im Vollzug sind rechtlicher Natur. Es sind u.a. das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, das Grundgesetz, die Verfassung des Landes NRW, das Reichskonkordat und die Umsetzung dieser Grundlagen in Strafvollzugsgesetz, Verwaltungsvorschiften zum Strafvollzugsgesetz, Strafgesetzbuch und Strafprozessordnung. Das Land NRW und die Bistümer im Land NRW haben am 1.7.2003 eine Dienstordnung für die katholische Gefängnisseelsorge in Nordrhein-Westfalen in Kraft gesetzt. Viel Rechtliches! Vielleicht ist dies auch eine Besonderheit der Gefängnisseelsorge.

Der augenfälligste Unterschied zur Arbeit in der Gemeinde ist vielleicht auch das Arbeiten in einem nicht kirchlichen oder religiösen Umfeld. Die Nähe zu einer Einrichtung, die einen doch ganz anderen Auftrag hat. Und auf der anderen Seite eine große Nähe in der Seelsorge zu den Menschen. In der Gefängnisseelsorge führe ich deutlich mehr Seelsorgegespräche und habe deutlich weniger zutun mit den Dingen, die für die Arbeit in den Gemeinden typisch sind wie Sakramente, Katechese, kirchliche Gruppen und Gremien. Anders ist auch die Einschränkung auf einen konkreten Personenkreis. Hier in Euskirchen sind es erwachsene Männer, die ihre Haft im offenen Vollzug absitzen.

„Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“ Ich erfülle im Gefängnis diesen Auftrag des Herrn. Ich mache es gerne, weil es die Menschen im Gefängnis und mich bereichert, und weil es mir liegt. Wer darüber nachdenkt, eine solche Aufgabe anzutreten, sollte sich vorher einer Frage in großer Ehrlichkeit stellen: Bin ich persönlich in der Lage, mit den zum Teil schwierigen Situationen umzugehen oder gehe ich an der Belastung zugrunde? Eine Hilfe für mich ist die Supervision, das fürsorgliche Eingebettet sein im Kreis der anderen Gefängnisseelsorger/innen, mein Glaube und das Arbeiten an meiner persönlichen Kompetenz. So kann ich hilfreich sein und bleiben für die Menschen im Gefängnis.

 

Als Pastoralreferent in der Krankenhausseelsorge

Mein Name ist Hans-Bernd Hagedorn, Jahrgang 54, verheiratet, vier Kinder und zu Hause in Meckenheim. Nach meinen Dienstzeiten in Gemeinden (Chorweiler, Pulheim), der Leitung des Kath. Jugendamtes in Bonn und der sich anschließenden Zeit in der Abt. Jugendseelsorge bin ich nun über 15  Jahre als Klinikseelsorger tätig. Über 13 Jahre davon habe ich meinen Dienst in der Universitätsklinik Bonn getan, nun inzwischen an die zwei Jahre in der Neurologischen Rehaklinik Bonn Bad-Godesberg.

Eine FrH.-Bernd Hagedornage kommt immer wieder einmal auf mich zu: "Wie verkraftest du es, immer mit der Thematik Krankheit, Sterben und Tod, Behinderungen… zu tun zu haben?"  Sicherlich wirkt dies alles. Manchmal auch schleichend untergründig und dann auch gefährdend, wenn ich die Grenze der Belastbarkeit nicht erkenne. Es ist dann gut, entweder in einem Team arbeiten zu dürfen (an den Unikliniken arbeitete ich mit 6 KollegInnen und im ökumenischen

Zusammenhang zuletzt mit insgesamt 8 SeelsorgerInnen zusammen) und durch immer wieder in Anspruch genommene Supervisionsphasen oder in geistlicher Begleitung eine gute Rückendeckung und -stärkung zu suchen und zu finden. Dies ist umso wichtiger, da ich in der Rehaklinik der einzige katholische Seelsorger bin. Die enge Zusammenarbeit mit meinem evangelischen Kollegen ist hier auch hilfreich.

Ich erfahre ich in den Begegnungen mit kranken Menschen aber nicht nur Abschied, Schwächung, Kränkung, Niedergedrücktes. In den Begegnungen wächst aus einem mich immer wieder auch anrührenden Vertrauen Neues. Ich erlebe Aufbrüche aus Krisen, die auf dem Weg der Bewältigung von Krankheit diese auch als Chance offenbart. Menschen finden neue Ziele, finden den Weg, auch mit einem Handicap „ja“ zu sich zu sagen, finden in schwierigen Familienzusammenhängen neu zueinander, Bewegungen der Versöhnung werden getan, Fragen nach Gott werden in einer Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit gestellt, die mein eigenes Suchen zutiefst unterstützt. Ich habe in Gesprächen, die viel Dunkles in sich tragen, das innere Ziel vor Augen, meinem Gegenüber dabei zu helfen, neue Fenster aufzumachen, frische Luft in den „Grübeldunst“ kommen zu lassen. Eher selten bleibt es auf Dauer dunkel, bleibt es in einer Schwere, gibt es keine Versöhnung und kein Fenster, das neu aufgestoßen werden kann – dies ist dann schwer auszuhalten, aber ich bemühe mich immer wieder neu darum.

Was sind die Aufgaben in der Krankenhausseelsorge?

Grundsätzlich bieten Seelsorgerinnen und Seelsorger im Krankenhaus sich an, in der persönlichen Begegnung mit kranken Menschen über das zu sprechen, was sie aktuell bewegt. Wir bieten uns selber an und möchten sie in ihren vielfältigen Erfahrungen und Fragen religiöser, seelischer und sozialer Art begleiten.  „Wir haben Zeit für sie!“ – so haben wir einmal für uns geworben.

Zeit,Klinikkirchen-Fenster UKB-Bonn

  • sich auseinanderzusetzen mit den Grenzen des Lebens
  • nach neuer Orientierung für ihr Leben und ihren Glauben    zu suchen
  • im Abschied begleitet zu sein
  • sich über eine Geburt zu freuen
  • sich auf eine vielleicht schwierige Rückkehr in ein oft     auch neues Zuhause vorbereiten zu können
  • im Gebet, im Segen, in den Sakramenten die   Begleitung     Gottes spürbar zu machen
Auch die Angehörigen der PatientInnen und die MitarbeiterInnen der Klinik brauchen Ansprechpartner. Bei den Stationsbesuchen habe ich immer auch
ein offenes Ohr für die Schwestern, Pfleger, Ärzte und die vielen anderen Dienste. Wenn mal ein Vertrauensverhältnis gewachsen ist, besteht auch der
Boden für Gespräche zum Erleben der Arbeit in all ihren Schattierungen.

In Bildungsangeboten (hier ist es eher eine Ausnahme, dass ich an den Unikliniken mit 50% meiner Zeit auch für Ethikunterricht und Seminararbeit der verschiedenen Ausbildungsgänge im pflegerischen und ärztlichen Bereich mitwirken konnte) sind Mitarbeiter der Seelsorge in medizinisch-ethischen Diskussionen oft gefragte Partner. In Kommissionen, Gremien und Arbeitskreisen wirken wir oft an dieser Stelle ethischer Auseinandersetzung mit. Manche Projekte werden von Seiten der SeelsorgerInnen angestoßen. Eine ausgezeichnete Unterstützung habe ich immer im Mitarbeiterstamm der Diözesanen Abteilung "Seelsorge im Gesundheitswesen" gefunden.

Einen guten Platz in der Arbeit als  Klinikseelsorger haben Gottesdienste und Angebote, die besonderen Zeiten (Advent, Fastenzeit, Weihnachten und Ostern) zu gestalten. Impulse, gottesdienstliche Feiern, aber auch Internet-Angebote für MitarbeiterInnen möchten den Boden anbieten, einen Augeblick lang zur  Ruhe kommen zu können, noch einmal zu sich selbst zu finden und mit der eigenen Situation vor Gott treten zu dürfen.

Nicht zu vergessen: Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger haben für ihre Arbeit eine besondere Ausbildung, um einfühlsam Kontakt aufnehmen und um auch mit anderen Berufsgruppen am Heilungsprozess der Patientinnen und Patienten mitwirken zu können.

 

…und noch ein kleiner Ausschnitt aus einem Statement, das auf dem Diözesantag 2012 von mir eingebracht wurde - Aspekt: Was kann ich anbieten?

Ich habe als Klinikseelsorger kaum mehr, als meine Person, meine Präsenz, mein Ohr und Wort in Solidarität, um Zeugnis zu geben. Ich bemühe michder Auerstehende Christus - Rehaklinik Godeshöhe darum, dass ich meine Antennen für Signale ausgefahren halte, die von oft sehr versteckten geistlichen Suchbewegungen Nachricht geben.

Ich möchte in den Begegnungen Mitsuchender unter der Regie der Kranken sein, möchte zusammen mit ihnen Fenster des Vertrauens auf Gott hin öffnen. Diese gemeinsamen Suchbewegungen schenken mir selbst das, was ich in meiner Zeit der Gemeindearbeit oft gesucht und so selten gefunden habe: einen von vielen Konventionen nicht mehr abgelenkten, auf einen diesen innewohnenden Kern der Frage nach dem „Gott für uns“ gerichteten Blick und Austausch.

Wenn sich Kranke mir gegenüber als Menschen outen, die sich nicht mehr der Kirche zugehörig empfinden, die ausgetreten sind oder auch als Nichtgetaufte, dann sage ich ihnen, dass dies ja nicht bedeuten muss, dass sie nicht auch nach Gott Fragende sind. Vielleicht haben sie ja in ihrer Lebensgeschichte eine eigene innere Kapelle aufbauen können, in die Sie immer wieder einkehren und ganz für sich vor und bei Gott sind.

Mit diesem angebotenen Bild einer Kapelle, einer ganz individuellen inneren Kapelle -errichtet als persönlicher, spiritueller Raum- damit können überraschend viele etwas anfangen. Es öffnet nicht selten ein Gesprächsfenster und wir reden darüber, wie das Leben in dieser Kapelle aussieht, was sie dort trägt, was sie tröstet, wie sie Gott erleben, wie sie ihm begegnen können – oder eben auch nicht. Wenn ich eingelassen werde, gehe ich mit viel Interesse aber auch behutsamer Neugier mit ihnen in ihre Kapellen.