Aktuelles

perspektivische Überlegungen

 

In unserem Beruf können wir nur zufrieden sein, wenn wir unsere Identität ausdrücken können. Deshalb ist für uns wichtig folgendes festzustellen:

1) Pastoralreferentinnen und –referenten leisten einen kirchlichen Dienst, der Frauen und Männern offen steht. Sie tun dies auf der sakramentalen Grundlage von Taufe und Firmung und haben so Anteil am gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen. Sie ergänzen den Dienst des kirchlichen Amtes mit einer eigenen Fachkompetenz, oft auch durch andere Zusatzqualifikationen. Ihre Aufgabe ist, das Evangelium, die Menschen und ihre Lebenswelt miteinander in Kontakt zu bringen.
Der Dienst der/des Pastoralreferentin –referenten ist für die Erzdiözese Köln unverzichtbar. Wir bringen als Laien ein mindestens zehnsemestriges theologisches Hoch-schulstudium in ihren pastoralen Dienst ein. Wir begrüßen es, dass das Erzbistum Köln pro Jahr drei Diplomtheologen/innen zur/zum Pastoralreferentin –referenten ausbildet. Wir sehen allerdings die Gefahr, dass dies nicht ausreichen wird, damit auch in näherer Zukunft Jungendliche noch junge Pastoralreferentinnen – referenten erleben und sich so für den Beruf begeistern können. Unser Beruf hat Zukunft, wenn es ein größeres Stellenangebot gibt, das jungen Menschen eine echte berufliche Perspektive bietet.

2) Pastoralreferentinnen und -referenten üben ihren Beruf unter der Leitung des Erzbischofs aus. Er beauftragt sie allgemein zur Seelsorge innerhalb des Erzbistums und ermächtigt sie so, im Namen der Kirche in allen Bereichen der Orts- oder Kategorialseelsorge tätig zu werden. Eine spezielle Beauf-tragung des Erzbischofs zur Wahrnehmung von pastoralen Aufgaben auf regionaler Ebene oder in einem bestimmten Seelsorgebereich oder kategorialem Seelsorgefeld, konkretisiert die allgemeine Beauftragung.
Wir arbeiten im Erzbistum Köln aufgrund einer besonderen Beauftragung des Erzbischofs. Wir begrüßen die zahlreichen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung, die das Erzbistum selber anbietet oder ermöglicht. Doch als „theologische Experten“ wollen wir auch teilhaben können an der Gesamtentwicklung der Pastoral im Erzbistum. Als Laien und theologische Fachmänner und Fachfrauen wollen wir unsere Kompetenzen einbringen können:- In der Verwaltung des Erzbistums – in der Leitung und inhaltlichen Arbeit von Abteilungen und Stabsstellen mit pastoralen Aufgaben- An besonderen Orten der Pastoral – im Krankenhaus für Ärzte und Pflegepersonal oder an der Hochschule für Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten.- In großen Seelsorgeeinheiten – mit unserer (u.a. theologischen) Fachkompetenz können wir haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter qualifizieren, so dass pastorale Konzepte zügig entwickelt werden können. Wir setzen uns ein für eine klare und kooperative Leitung.- In der geistlichen Leitung, Begleitung und Weiterbildung von kirchlichen Gruppen und Gremien auf verschiedenen Ebenen- In Justizvollzugsanstalten, Polizei und Militär, Altenheimen und Hospizen, wo ethische Fragestellungen nach einer kompetenten Antwort verlangen.- In den von der Kirche „entfremdeten“ Sinusmilieus – PRs haben durch ihr akademisches Studium gelernt, sich schnell in neue Wissensgebiete einzuarbeiten; wir können so die „Fremdsprachen“ der anderen Sinusmilieus verstehen lernen und in der pastoralen Arbeit darauf eingehen.

3) In einem Seelsorgebereich gibt es nur einen leitenden Pfarrer. Bei ihm liegt die letzte Verantwortung für die Wahrnehmung der kirchlichen Grunddienste von Liturgia, Martyria und Diakonia. Als Dienstvorgesetzter ist er weisungsbefugt gegenüber Pastoralreferentinnen und –referenten. Doch die schwierige Aufgabe der Gesamtleitung kann unter den gegebenen Bedingungen nur durch Kooperation, gemeinsame Entscheidungsprozesse, durch Delegation und Übertragung von Verantwortung erfüllt werden.
In den Seelsorgebereichen streben wir eine kooperative Pastoral an. An vielen Orten existiert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den leitenden Pfarrern. Um als Pastoralreferentin – referent gut arbeiten zu können, brauchen wir Pfarrer, die unsere Charismen und Talente ernstnehmen und uns den Raum geben, eine Balance zwischen Aktion und Ruhe zu halten. Wir sind nicht allverfügbar. Mitarbeiterjahresgespräche, durchgeführt von dazu ausgebildeten Vorgesetzten, können dabei ein wirkungsvolles Instrument sein. Wir begrüßen es, wenn nun nach der qualifizierten Begleitung der leitenden Pfarrer, auch die Seelsorgeteams –wieder- in den Fokus der Personalentwicklung kommen.

4) „Je nach Größe der Gemeinde stehen dem Pfarrer Priester, Diakone und Laien als Mitarbeiter zur Seite, die entsprechend ihrem spezifischen Auftrag Anteil an der Leitung der Pfarrgemeinde haben.“ Pastoralreferentinnen und –referenten sind aufgrund ihrer bischöflichen Beauftragung und ihrer Kompetenzen in verschiedenen Formen der Kooperation an der Leitung eines Seelsorgebereiches zu beteiligen. Entsprechend gemeinsam entwickelter inhaltlicher Schwerpunktsetzungen der Pastoral übernehmen sie verantwortliche, eigenständige Leitung in Teilbereichen. Diese ist durch Delegation übertragen.
In zahlreichen Teilbereichen der Pastoral wurde uns Verantwortung übertragen. Diese Verantwortung können wir nur sachgerecht wahrnehmen, wenn einerseits die Delegation wirklich ernstgenommen wird und andererseits die Ein- und Rückbindung in die Pastoral im Seelsorgbereich sichergestellt wird. Wir wollen nicht „Nischen und Reservaten“ arbeiten.Wir brauchen Freiräume, um „an die Hecken und Zäune“ der Welt gehen zu können. Wir brauchen Vorgesetzte, die unsere theologischen Qualitäten einfordern und einsetzen. Wir brauchen das in uns gesetzte Vertrauen, dass wir kompetent Ehrenamtliche begleiten und befähigen können. Besonders in den großen Seelsorgeeinheiten, die im Augenblick entstehen, müssen wir die Möglichkeit haben, Schwerpunkte zu setzen. Wir müssen und können nicht allzuständig sein.

(verfasst 2009)