Ausbildung, Studium & Beruf

Regelungen zu Bildung und Ausbildung fallen grundsätzlich in den Kompetenzbereich der Länder, dennoch muss dieser Bereich auch als Aufgabe begriffen werden, bei der auch der Bund und die Kommunen gefordert sind. Nur gemeinsam können auf den drei Ebenen die Herausforderungen zur Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen im Bildungsbereich bewältigt werden, die für die Zukunft eine qualitativ hochwertige und für den Einzelnen nach Fähigkeiten und Neigungen differenzierte Ausbildung garantieren.


Die Ausbildungsförderung ist grundsätzlich mit dem Ziel zu reformieren, den Familien die Unterstützung zukommen zu lassen, die zur Sicherstellung der Ausbildung ihrer Kinder notwendig ist. Die Leistungen nach dem BAföG sind so hoch zu bemessen, dass die Eltern in erforderlichem Maße entlastet werden:

  • Ausreichend hohe Bemessungsgrenzen des Elterneinkommens bei der BAföG-Berechnung müssen kontinuierlich in Anlehnung an die allgemeine Einkommens- und Preisentwicklung angepasst werden.
  • Die Ausbildungsfreibeträge im Steuerrecht müssen ausreichend hoch sein. Dementsprechend muss auch die einkommenssteuerrechtliche Berücksichtigung der aus den ehelichen Unterhaltsverpflichtungen erwachsenden Ausbildungskosten gewährleistet sein.


Familienarbeit und Erwerbsarbeit

Es muss in der Entscheidungsfreiheit der Eltern liegen, wie sie Familienleben und Beruf/Erwerbsarbeit miteinander vereinbaren. Dabei sind die Eheleute verpflichtet, also Frauen und Männer, bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbsarbeit die gebotene Rücksicht auf den Partner und auf die Belange der Familie zu nehmen. Dazu müssen in Wirtschaft und Erwerbsarbeitswelt entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Schließlich hat der Staat die Verpflichtung, Rahmenbedingungen für eine tatsächliche Wahlfreiheit zu schaffen, die eine gleichberechtigte Aufteilung der Erwerbsarbeit und der Familientätigkeit für Mütter und Väter ermöglichen.

 

Eine partnerschaftliche Verteilung von Erwerbsarbeit, Familientätigkeit und anderen gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten entspricht dem veränderten Rollenverständnis von Frau und Mann. In den Lebensentwürfen von Frauen und Männern müssen Erwerbsarbeit und das Leben mit Kindern in der Familie gleichwertige Optionen sein können.

 

Eine gerechte Gesellschaft der Zukunft muss daher den speziellen Bedürfnissen und Lebenssituationen von Familien entsprechen und folgende Aspekte aufgreifen:

 

Unsere Forderungen:

  • Familiengerechte Arbeitszeitformen, zeitflexible Arbeitsplätze, Jahresarbeitszeitmodelle, Lebensarbeitszeitmodelle sind auszubauen.
  • Zeitlich über die gesetzliche Elternzeit hinausreichende Wiederbeschäftigung ist den Eltern von den Betrieben anzubieten.
  • Berufliche Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach einer Familienphase sind durch die Aufrechterhaltung des Berufskontaktes sowie begleitente Fort- und Weiterbildungsangebote der Arbeitgeber zu erleichtern.
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Betreuung von Kindern sind durch die Betriebe zu unterstützen.
  • Modelle überbetrieblicher Verbundsysteme zur Unterstützung familienverträglicher Arbeitsbedingungen kleinerer Betriebe sind zu erproben.
  • Ausbildungsverordnungen, Studienordnungen und Prüfungsverfahren sind familienverträglich zu gestalten.
  • Initiativen zur Zertifizierung familienfreundlicherer Betriebe sind zu verstärken.
  • Personal- und Unternehmenspolitik soll familiär erworbene Kompetenzen als Qualifikation anerkennen.


Diese Erfordernisse müssen auf dem Weg zur Tätigkeitsgesellschaft Grundlage unternehmerischer Entscheidungen und unternehmerischen Selbstverständnisses sein, allein schon, da sie langfristig im eigenen Interesse von Wirtschaft und Unternehmern liegen. In diesem Maße verliert die entlohnte Erwerbsarbeit mehr und mehr ihr Monopol als Quelle von Lebenssinn. Die bestehende Dominanz der bezahlten gegenüber der bisher unbezahlten Arbeit, die gegenwärtig in unserer Gesellschaft zu Lasten der Eltern geht, muss überwunden werden.

 

Neben dem Gesetzgeber sollten die Tarifvertragsparteien flankierend wichtige Rahmenbedingungen für die Entwicklung einer familienorientierten Unternehmenspolitik schaffen, zumal diese gesellschaftspolitische Aufgabe in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Der Familienbund der Katholiken sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Herstellung von Gleichwertigkeit der Lebensbereiche von Erwerbsarbeitswelt und Familie. Er betont in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass auch künftig ein Mindestmaß an gemeinsamer freier Zeit für familiäres Zusammenleben gesichert werden muss.

 

Die Organisation der Erwerbsarbeitswelt hat den Freiraum der Familie für Muße und Kultur zu respektieren. Dazu gehört das erwerbsarbeitsfreie Wochenende. Vor allem aber stellt der Sonntag in seinem sozialen und religiös-kulturellen, gemeinschaftsstiftenden Stellenwert eine unverzichtbaren Bestandteil unserer Kultur dar.