Förderung von Kindern im Vorschulalter

Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt

Der Familienbund der Katholiken ist der Auffassung, dass bei allen Überlegungen zur Förderung von Kindern das Wohl der Kinder im Mittelpunkt stehen muss. Jedes Kind hat ein Recht darauf, angenommen und geliebt zu werden und eine bestmögliche, seinen individuellen Bedürfnissen entsprechende Förderung zu erhalten.

Das Recht des Kindes auf umfassende, individuelle Förderung darf nicht von gesellschaftlichen Ansprüchen an das Kind überlagert werden. Kinder wollen in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen, respektiert und gefördert werden. Wer Kinder fördern will,  muss auch Beziehungen fördern.

Die beste Förderung leistet die Familie
Die beste Förderung von Kindern leistet die Familie. In der Familie werden die wesentlichen Fähigkeiten und Wertorientierungen der Kinder grundgelegt, in ihr fängt Bildung an. Eltern leisten in den ersten Monaten und Jahren des Lebens elementare Beziehungsarbeit und bereiten damit die Basis der seelischen, geistigen und religiösen Entwicklung ihrer Kinder. Die grundlegenden Fähigkeiten und Bereitschaften (Basiskompetenzen) für schulische Lern- und Bildungsprozesse lernen Kinder am nachhaltigsten in der Familie.  

 

Was zum Wohl des Kindes geschieht, entscheiden in der Regel am besten die Eltern. Das elterliche Erziehungsrecht hat Vorrang vor den Bemühungen des Staates und der Gesellschaft um die Kindererziehung. Das Grundgesetz weist in Art. 6 Abs. 2 auf das vorrangige Recht und die Pflicht der Eltern zur Pflege und Erziehung der Kinder hin. Eltern sind in der Regel die ersten und bevorzugten Erzieher ihrer Kinder und leisten damit einen wesentlichen Beitrag für die Zukunft der gesamten Gesellschaft. Deshalb muss der Erziehungsleistung der Eltern mit der gleichen gesellschaftlichen Wertschätzung begegnet werden wie der Erwerbsarbeit.  

 

Um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können, brauchen Eltern entsprechende materielle und strukturelle Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein gerechter Familienlastenausgleich ebenso wie familienfreundliche Arbeitsplätze und ein ausreichendes Angebot an qualifizierter Kindertagesbetreuung.

In unserer Zeit, in der die Erziehungsbereitschaft und die Erziehungsfähigkeit von Eltern abnehmen, ist es eine primäre Aufgabe von Staat und Gesellschaft, Eltern zu stärken. Eltern brauchen familien-, sozial- und arbeitsmarktpolitische Bedingungen, die es ihnen ermöglichen, ihre Kinder umfassend selbst zu erziehen. Eltern müssen aber auch die Möglichkeit haben, Angebote in Anspruch zu nehmen, die sie in ihrer Erziehungsfähigkeit stärken. Es gibt viele Familien, die aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung in ihrer Erziehungsverantwortung auch durch Betreuungseinrichtungen oder in anderer Form (Tagespflege) benötigen und wo dies ausdrücklich im Interesse des Kindes liegt.

Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt aller Überlegungen zu Erziehung, Bildung und Betreuung.  

 

Die Familie ist der zentrale und beste Ort der Förderung von Kindern.  Eltern bleiben in ihrer Erziehungsverantwortung.  

 

Ungeachtet der Elternrechte liegt es auch in der öffentlichen Verantwortung, dass die Kinder elementare Kompetenzen (Selbst-, Sozial- und Sachkompetenzen) erwerben.  

 

Jedes Kind hat ein Recht auf die seinen individuellen Fähigkeiten entsprechende bestmögliche Förderung, unabhängig von Herkunft oder Geschlecht.

Qualität und Quantität der Betreuung ausbauen
Kinder zu fördern bedeutet auch, Erziehung, Bildung und Betreuung als gleichwertig anzuerkennen. Dabei müssen Eltern entscheiden können, in welchem Umfang sie die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder selbst übernehmen oder dafür Angebote außerfamiliärer Bildung und Betreuung hinzuziehen. Zur Wahlfreiheit gehört deshalb auch eine plural ausgerichtete, qualitativ gut ausgestattete, bedarfsdeckende Struktur von Betreuungsangeboten, die den Bedürfnissen der Kinder, aber auch den Anforderungen der Eltern Rechnung trägt. Staatliche und nichtstaatliche Institutionen ersetzen die elterliche Verantwortung jedoch nicht, sondern unterstützen sie lediglich. Kindertageseinrichtungen können und wollen kein Familienersatz sein.  

 

Es liegt im Interesse der Familien, das Angebot der Kinderbetreuung auch für die unter Dreijährigen in Deutschland möglichst rasch zu erhöhen. Ein gut ausgebautes, qualitativ hochwertiges Betreuungssystem ist für viele Eltern eine wertvolle Hilfe, um Erwerbs- und Familienarbeit besser miteinander vereinbaren zu können. Investitionen in die Kinderbetreuung können jungen Menschen die Entscheidung für ein Kind erleichtern und sind darüber hinaus ein Weg zu mehr Chancengleichheit der Geschlechter. Der Ausbau der Kinderbetreuung muss finanziell gesichert werden und Priorität in den Kommunen haben. Die Kirchen sind aufgefordert, ihre Betreuungsangebote auch im Hinblick auf ihre pastorale Verantwortung aufrechtzuerhalten. Da sie dabei eine gesetzlich verankerte öffentliche Aufgabe erfüllen, ist eine nachhaltige finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand erforderlich. Doch ebenso wichtig wie der Ausbau des Angebotes ist die Verbesserung der Qualität der Erziehung, Bildung und Betreuung in den Einrichtungen. Der Schwerpunkt muss dabei auf der individuellen Förderung jedes Kindes liegen. Besondere Beachtung muss dabei der Erwerb grundlegender Sprach- und Sozialkompetenzen erhalten. Die Tagespflege ist mit ihren Vorteilen wie Flexibilität und Familiennähe eine gute Alternative zu Kindertagesstätten und sollte deshalb zu einer eigenständigen Form der Kinderbetreuung ausgebaut werden. Dafür müssen verlässliche Standards für die Verfügbarkeit, den Umfang und die Qualität eingeführt werden.

Unsere Forderungen:

  • Qualität und Quantität des Angebotes an Kindertagesbetreuung, auch für die unter Dreijährigen, müssen flächendeckend und bedarfsgerecht ausgebaut werden.
  • Das letzte Kindergartenjahr muss für Eltern beitragsfrei sein.
  • Für jedes Kind muss ein individueller Förderplan erstellt werden, der von Erzieher/innen und Eltern gemeinsam erarbeitet und ständig fortgeschrieben wird. Dafür ist es unerlässlich, die Erzieher/innen entsprechend zu qualifizieren.
  • Für eine optimale Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und besonders in Krippen ist eine Verkleinerung der Gruppenstärken unabdingbar.
  • Zur Qualifizierung der Erzieher/innen ist eine konzeptionelle Reform der Erzieherausbildung unerlässlich. Längerfristig sind gleiche Ausbildungsstandards im Vorschul- und Primärbereich anzustreben.  
  • Auch für die Tagespflege müssen Ausbildungs- und Qualitätsstandards verbessert werden. Tagespflegepersonen sollten verpflichtet werden, sich einem Träger der Jugendhilfe anzuschließen, der ihre Aus- und Weiterbildung gewährleistet.