Flüchtlingshilfe

Aktuell

BFD in der Flüchtlingshilfe
22.11.2016 - Das Sonderprogramm nach § 18 BFDG ermöglicht Einrichtungen und Initiativen der Flüchtlingshilfe einen maßgeschneiderten BFD anbieten zu können. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt die Kirchengemeinde St. Marien in Wachtberg.
Sonderprogramm
14.07.2016 - § 18 BFDG ermöglicht es, dass Freiwillige, die einen Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingshilfebezug leisten, in mehreren vorab festgelegten Einsatzstellen eingesetzt werden können.
Was würdest Du tun?
14.07.2016 - Bei einem Seminar haben die BFD-ler/-innen, die in der Flüchtlingshilfe mitarbeiten, ein Video gedreht mit dem sie andere motivieren möchten, sich mit der Situation von Geflüchteten zu beschäftigen.

Video zum Thema

Fotos

Das FSJ und der BFD werden gefördert vom

BFD-ler unterstützt die Flüchltingshilfe in Wachtberg

Skepsis wich Dankbarkeit

Das Sonderprogramm nach § 18 BFDG ermöglicht Initiativen und Einrichtungen der Flüchtlingshilfe eine maßgeschneiderte Stelle für Bundesfreiwilligendienstleistende einzurichten.

 

„Jetzt können Sie noch Lebensmittel für 20 Punkte kaufen“, sagt Robin Itzek zu seiner Kundin. Der 18-Jährige steht hinter dem Tresen im Verkaufsraum der Zugabe im Gemeindezentrum in Wachtberg. „Bei der ,Zugabe‘ werden gespendete Lebensmittel an bedürftige Wachtberger/-innen und Menschen mit Fluchterfahrung verkauft“, erläutert er. Seit einem Monat unterstützt Robin als Bundesfreiwilligendienstleistender (BFD-ler) dieses und andere Flüchtlingshilfeprojekte der Kirchengemeinde St. Marien in Wachtberg.

„Donnerstags helfe ich bei der Zugabe mit, samstags beim Samstagstreff und an den restlichen Tagen arbeite ich im Familienzentrum oder unterstütze einzelne Geflüchtete beim Ausfüllen von Anträgen oder bei Behördengängen“, berichtet der Brühler.

Das Besondere an Robins Stelle ist, dass er zwar von der Kirchengemeinde St. Marien in Wachtberg eingestellt wurde, aber in vielen unterschiedlichen Projekten tätig ist, die alle einen Flüchtlingshilfebezug haben. Möglich ist dies durch das Sonderprogramm Bundesfreiwilligendienst nach § 18 des Bundesfreiwilligendienstgesetzes (BFDG). Die Freiwilligen werden von einer anerkannten BFD-Einsatzstelle eingestellt, die sie dann an andere Projekte oder Einrichtungen „entsenden“ kann. „Damit wollte der Gesetzgeber der Tatsache gerecht werden, dass viele Initiativen, Projekte oder Einrichtungen der Flüchtlingshilfe sich über die Unterstützung von Bundesfreiwilligen freuen, aber nicht genug Arbeit für sie oder nicht die finanziellen Mittel haben, um sie Vollzeit zu beschäftigen“, sagt Dr. Thomas Möltgen, Vorstandsmitglied des Bildungsträgers „Freiwillige soziale Dienste im Erzbistum Köln e.V.“ (FSD Köln).

 

Robin Itzek arbeitet als Bundesfreiwilligen-dienstleistender (BFD-ler)  bei der Kirchen-gemeinde St. Marien in Wachtberg in verschiedenen Flüchtlingshilfeprojekten mit.

Die Projekte, die Robin als BFD-ler unterstützt, stehen alle unter der Federführung der Kirchengemeinde und dem dazugehörigen Familienzentrum St. Marien. Nach § 18 BFDG könnte der BFD-ler aber auch in Projekten oder Einrichtungen der Flüchtlingshilfe tätig werden, mit denen die Kirchengemeinde lediglich vernetzt ist. „Der BFD-ler der Kirchengemeinde St. Marien könnte beispielsweise an bestimmten Tagen in einer Offenen Ganztagsschule oder einer Beratungsstelle mitarbeiten, mit der die Kirchengemeinde kooperiert“, sagt Möltgen.

Robin schätzt die Bandbreite seiner BFD-Stelle sehr: „Ich habe hier mit ganz vielen unterschiedlichen Zielgruppen, aber auch Ansprechpartner/-innen zu tun, das finde ich spannend.“ Im Familienzentrum kümmert er sich schwerpunktmäßig um die Flüchtlingskinder, bei der Zugabe hilft er bei der Organisation und der Vergabe der Lebensmittel mit und beim Samstagstreff organisiert er, welche Ehrenamtlichen Deutschkurse für geflüchtete Erwachsene übernehmen und welche derweil deren Kinder betreuen. Darüber hinaus übernimmt er je nach Bedarf Einzelfallhilfen. „Eine Zeit lang habe ich einem syrischen Pärchen einmal die Woche Deutschunterricht gegeben und nächste Woche gehe ich mit zwei Brüdern aus Syrien ins Museum König in Bonn.“

„Durch den Ausflug möchten wir den syrischen Jungs einen positiven Input geben, damit sie sich in ihrer Freizeit nicht nur mit den Geschehnissen in ihrer Heimat beschäftigen“, sagt die Leiterin des Familienzentrums, Mieke Schulze, die auch für die Praxisanleitung von Robin zuständig ist. Sie behält im Blick, welche Aufgaben er bekommt und übernimmt und bespricht mit ihm den Verlauf seines Freiwilligendienstes. Sie ist Ansprechpartnerin bei Fragen und gibt ihm regelmäßig Feedback. „Ich komme jeden Tag einmal hier vorbei und bespreche mit Mieke meine Aufgaben und wie es gerade läuft“, sagt Robin.

„Es ist sehr wichtig, dass die Freiwilligen eine konkrete Ansprechperson haben, die darauf schaut, dass die Freiwilligen weder unter- noch überfordert werden“, sagt Johanna Claßen, Referentin für das Projekt „Flüchtlingshilfe“ beim FSD. Die Kombination aus pädagogischer Begleitung der BFD-ler/-innen in den Einsatzstellen und bei den - vom FSD durchgeführten - Bildungsseminaren, ermögliche den 18- bis 27-Jährigen, ihre Rolle zu reflektieren und das Jahr zur Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen.

Im Vorfeld des Dienstes müsse deshalb geklärt werden, wer die Anleitung der/des Freiwilligen übernimmt und dabei einen Überblick über alle Einsatzfelder der/des Freiwilligen haben kann. Darüber hinaus muss ein Stellenprofil erarbeitet werden. Die Freiwilligen sollen als zusätzliche Kraft eingesetzt, aber dennoch mit klaren Aufgaben betraut werden, bei denen sie im Idealfall peu à peu mehr Verantwortung übernehmen können. „Durch ein klares Stellenprofil können wir die Stelle besser an eine/-n geeignete/-n Bewerber/-in vermitteln“, begründet Claßen. Einige Bewerber/-innen möchten gerne im Hintergrund tätig sein, andere bewerben sich mit dem Ziel, den Geflüchteten unmittelbar zu helfen und mit ihnen in Kontakt zu kommen. „Sollte vor Ort aber ein Mix aus beiden gebraucht werden, dann ist es gut, wenn wir das bereits im Bewerbungsverfahren mitteilen können“, so die Projektreferentin. 

Robin hat sich um einen Freiwilligendienst beworben, weil er geflüchteten Menschen helfen und mit ihnen direkt in Kontakt kommen wollte. „In der Nähe meines Elternhauses in Brühl wurde ein Erstaufnahmelager eingerichtet“, sagt er, „von den dort lebenden Menschen bekomme ich aber kaum etwas mit.“ Dafür sei er aber immer wieder mit der Gegenwehr von Einheimischen konfrontiert worden. Deshalb wollte er sich zwischen Schule und Studium ganz bewusst ein Jahr für Menschen mit Fluchterfahrung einsetzen.

„Oh es gibt ja Äpfel und Eier.“ Eine ältere Frau hat gerade den Verkaufsraum der Zugabe betreten. „Am Wochenende hatten wir eine Sammelaktion vor dem Einkaufszentrum in Wachtberg, deshalb gibt es nun auch frische Lebensmittel“, sagt eine der ehrenamtlichen Frauen, die die Zugabe initiiert haben und organisieren. Robin ergänzt: „Sonst werden in der Zugabe gegen einen geringen Preis vorwiegend haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel verkauft.“ Der begeisterte FC-Fan fügt sich gut in das Team der ehrenamtlichen Frauen ein, die allesamt von ihm begeistert sind. „Zu Beginn stand ich der Idee, dass hier ein BFD-ler mitarbeitet, skeptisch gegenüber“, gesteht eine Dame. Doch jetzt empfinde sie Robin als große Stütze und Hilfe.

 

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