Einsatzländer

Meinungen

  • „Weltwärts ist für mich: Erfahrungen und Begegnungen, mit einem Land und Menschen, die mich bewegen und prägen!“
    Mareike Berhends
    Südafrika 2015/2016
  • „Weltwärts bietet die Möglichkeit, ein Land, dessen Kultur und Sprache, ganz viele neue Menschen, aber auch sich selbst besser kennen zu lernen.“
    Franziska Freund
    Peru 2015/2016
  • „Durch die Menschen in Chile habe ich gelernt, mich über die kleinen Glücksmomente im Alltag zu freuen und daraus Kraft für die schwierigeren Zeiten zu schöpfen.“
    Anja Gierling
    Chile 2013/2014
  • „Ein einzigartiges Jahr mit Höhen und Tiefen, das mich auf meinem Weg weitergebracht hat. Eine Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.“
    Anne Diessner
    Südafrika 2013/2014
  • „Es ist schwer zu beschreiben, was das Jahr in Südafrika mir gebracht hat, aber es war unglaublich toll und manchmal würde ich gerne die Zeit zurückdrehen.“
    Miriam Paetzold
    Südafrika 2010/2011

Fotos weltwärts

In Zusammenarbeit mit:
Der FSD Köln ist zertifizierte Entsende-organisation für weltwärts.

Erfahrungsbericht aus Brasilien

2008-09 war der damals 22-jährige Freiwillige Oliver S. in Passo Fundo. Zwei Wochen bevor er Passo Fundo verlässt, um durch Brasilien und anschließend zurück nach Deutschland zu reisen, schrieb er diesen Text.

Meine „Letzten Tage" hier in Passo Fundo sind leider schon gezählt. Heute in genau zwei Wochen werde ich zu meiner letzten kleinen Rundreise in den Norden Brasiliens aufbrechen und meine Wahlheimat auf Zeit für längere Zeit verlassen. Ich werde oft gefragt, wann ich denn wiederkomme. Meine Antwort lautet immer: „Möglichst bald.". Obwohl ich weiß, dass es eine ganze Weile dauern wird. Schon alleine Geld für die Reise zu sparen, wird dauern. Doch spätestens zum Copa do mundo 2014 möchte ich wieder in Brasilien sein.

 

Es wird mir nicht leicht fallen, von hier zu gehen. Zumal ich jetzt so richtig gut drin bin und mich eingelebt habe. Es hat sehr lange gedauert, viel länger als ich vorher gedacht habe und länger als ich mir zwischendurch zugestanden habe. Vor allem habe ich sehr lange nach einem richtig guten, männlichen Freund gesucht. Gott sei Dank, habe ich ihn, besser spät als nie, vor zwei Monaten gefunden. Seit Anfang Mai arbeiten Evandro und ich zusammen in der Dreherei der Leão XIII. Drei Tage in der Woche treffen wir uns in seiner Werkstatt, um zu arbeiten, erzählen oder um Essen zu kochen. Er hat mir in dieser Zeit beigebracht, Messer zu schmieden und ich habe ihm als Gegenleistung einen elektrischen Schmiedehammer gebaut. Kürzlich erzählte er mir, dass er seinen Sohn (seine Frau ist im 7. Monat schwanger) nach mir benennen wird. Das empfinde ich als große Ehre. Besonders, weil Oliver absolut nicht brasilianisch ist und ich hier auch noch niemanden mit diesem Namen getroffen habe. Wir zwei haben uns wirklich gefunden, deshalb wird mir der Abschied von Evandro auch besonders schwer fallen.

 

Aber nicht nur ihn werde ich vermissen. Die drei Tage pro Woche in der Berufsschule und die zwei Tage im Jugendzentrum Vitor Issler, könnten nicht abwechslungsreicher und schöner sein. In der Berufsschule lerne ich neue Sachen, mache Arbeiten für die Jugendzentren und tausche mich mit den anderen Schülern in meinem Alter aus. Die Arbeit macht mir außerdem so viel Spaß, weil schweißen und drehen schon eher meine Welt ist, als einen guten Unterricht für Kinder vorzubereiten.

 

Trotzdem möchte ich meine zwei Tage pro Woche in dem Jugendzentrum nicht missen. Die Kinder, sowie die Kollegen sind mir ans Herz gewachsen. Dort fühle ich mich zu Hause und genieße jeden Tag, den ich noch zusammen mit ihnen habe.

 

Der Abschied wird mir auch deshalb nicht leicht fallen, weil die Kollegen zu guten Freunden geworden sind. Sie sagen mir bereits jetzt, wie sehr sie mich vermissen werden. Um den Abschiedsschmerz ein bisschen zu lindern, planen sie schon seit einiger Zeit, eine Abeschiedsfeier für Matthias und mich. Darauf freue ich mich schon riesig. Die wird einen Tag vor meiner Abreise stattfinden, so habe ich die Gelegenheit, mich von allen zu verabschieden ohne das einer zu kurz kommt.

 

Ein bisschen stressig ist es derzeit trotzdem. Ich habe noch zwei Wochen und versuche natürlich alles auszunutzen, was sich noch irgendwie anbietet. Ich verbringe sehr viel Zeit in der Werkstatt meines besten Freundes, treffe mich mit meinen Schülern, mit denen ich auch privaten Kontakt habe, kaufe Geschenke und plane meine Reise. Außerdem werde ich frankierte Briefumschläge für meine zwei Patenkinder hier lassen, damit es einfacher ist in Kontakt zu bleiben.

 

Noch kann ich es mir nicht so richtig vorstellen, von hier wegzugehen. Es ist für mich selbstverständlich geworden, hier zu wohnen und zu leben.

 

Trotzdem freue ich mich sehr darauf, wieder nach Deutschland zurückzukommen. Ich freue mich meine Familie wieder zu sehen und habe große Sehnsucht nach meinen Freuden. Ein bisschen freue ich mich auch auf das deutsche Essen, das ein oder andere leckere Kölsch und endlich wieder deutsch zu reden.

 

Ich glaube diese Kombination aus Abschiedsschmerz von Passo Fundo und der Vorfreude auf meine alte Heimat, ist genau richtig für mich. Ich könnte nicht sagen, was ich im Moment bevorzugen würde und so nehme ich es einfach wie es kommt und bin damit rundum zufrieden. Gut finde ich, dass ich, wenn ich nach Hause komme, erst mal alleine bin. Meine Eltern hatten ihren Urlaub schon gebucht, als ich dann endlich meinen Rückflug festgelegt habe. Nicht, dass ich mich nicht wahnsinnig auf das Wiedersehen meiner Eltern freue, sondern vielmehr bin ich froh erst mal Zeit für mich zu haben, um das Erlebte zu ordnen und zu verarbeiten und ich mich so langsam wieder einleben zu können. Trotzdem möchte ich nicht darauf verzichten, dass mich meine Freunde am Flughafen abholen.

 

Die Aussicht, nach meiner Ankunft in unserem Haus zumindest für drei Tage mein eigener Herr zu sein, finde ich trotzdem gut. Ich denke, danach hab ich genügend Kraft getankt, für das große Frage- Antwortspiel „Wie war's denn?", „Erzähl doch mal!".

 

Ebenfalls freue ich mich schon auf mein Studium und auf den Umzug nach Aachen.

 

Also, wie oben schon erwähnt, ich bin rundum zufrieden.

 

Oli S.

 

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